Ende 2006 flogen mein Mann und ich zum ersten Mal nach Sao Luis in Brasilien.
Das dortige Jugendgericht hatte unserer Adoptionsvermittlungsstelle kurz vorher
mitgeteilt, dass ein kleiner Junge in einem Kinderheim auf uns, als seine neuen
Eltern, warten würde.
In den Wochen bis zum Abschluss aller nötigen Formalitäten, wurden wir dann von zwei deutschen Franziskanerschwestern begleitet: Schwester Bona und Schwester Goretti.
Beide kamen vor über 45 Jahren vom Mutterhaus in Olpe zur dortigen Mission nach Brasilien. Vorher bestand bereits ein reger Briefkontakt und so freuten wir uns natürlich nicht nur über unseren langersehnten Familienzuwachs, sondern auch die beiden einmal persönlich kennen zu lernen: Wie sie leben, was sie tun usw.
Und so befanden wir uns am letzten Tag im November 2006 auf dem Weg ins Projekt “ Traum der Aline“, um einen Teil der Missionsarbeit der Franziskanerinnen in Sao Luis kennen zu lernen. An diesem Tag feierten die Schwestern und alle ehrenamtlichen Helfer mit den Mädchen den Abschlussgottesdienst für das Jahr 2006. Leider waren für den kommenden Dezember keine Gelder mehr vorhanden, um die Mädchen mit Essen versorgen zu können. Die Mädchen hatten Gedichte, Briefe und kleine Geschenke für die ehrenamtlichen Helfer vorbereitet. Es wurde viel gelacht, viele abracos verteilt (abracos = herzliche Umarmung) und es gab für alle viel Beifall. Was uns auch heute noch gut in Erinnerung geblieben ist, war, dass die Köchin mit Abstand den meisten Applaus ernten konnte. Die Mädchen klatschten wild, stampften mit den Füßen und jubelten als ihr Name viel. Das machte uns klar, welchen Stellenwert das Essen für die Kinder im Projekt einnimmt. Denn hätte eine vergleichbare Veranstaltung hier bei uns in Deutschland stattgefunden, dann wäre wohl die Köchin nur mit einem höflichen Applaus bedacht worden.
Die Zeit im Projekt ging viel zu schnell vorbei und da es im Dezember
geschlossen bleiben würde, war es vorerst auch unser letzter Besuch gewesen.
Aber diese wenigen Stunden hatten gereicht, um mit dem Vorsatz nach Hause zu fahren, etwas tun zu müssen. Hier hatten wir keinen Bericht im Fernsehen gesehen ! Hier hatten wir erlebt, dass die Mädchen vom „Traum der Aline“ auf Hilfe angewiesen sind.
Wieder zu Hause hatten wir unseren Vorsatz nicht vergessen, mussten aber zunächst erstmal in unsere neuen Rolle als Eltern wachsen. Irgendwann fingen wir dann an aus Tonkarton Sonnen auszuschneiden und mit Infos über das „Traum der Aline„ zu versehen, um so um Spenden zu bitten. Wir verteilten unsere Sonnen an unsere Familien, unsere Freunde, an Arbeitskollegen, Bekannte etc. und konnten nach kurzer Zeit bereits die ersten Spenden weiter nach Brasilien schicken.
Im Mai 2008 stiegen wir wieder ins Flugzeug mit Ziel Sao Luis. Natürlich mit unserem Sohn und auch dabei unsere Freundin Nicole, die Patentante unsere Kindes, die gerne sein Herkunftsland kennen lernen wollte.
Neben dem Besuch des Kinderheimes, dem Jugendgericht und allen lieben Menschen, denen wir bei unserem ersten Besuch begegnet sind, stand natürlich auch ein Tag im Projekt an.
Mittlerweile hatte eine neue Schwester die Leitung übernommen :
Schwester
Maria Jose, geboren am 2.August 1965.
Sie leitet seit Februar 2007 mit Schwester Neves und Schwester Franziska das
Projekt Traum der Aline in Brasilien und am 6.Februar 2010 ist sie seit 25
Jahren bei den Franziskanerinnen. Sie ist gelernte Sozialarbeiterin mit
Zusatzausbildung in Gruppentherapie.
Ihr Spitzname ist Maze und sie ist mit großer Begeisterung im Projekt tätig.
Matze fühlt sich glücklich mit so vielen Mädchen aus ärmsten Verhältnissen ihnen
eine neue Lebensperspektive vermitteln zu können und mit ihnen zusammen
aufzubauen.
Sie dank von Herzen allen Menschen, die so fühlen wie sie und sich mit Ihrem Einsatz im Projekt einbinden.
Die Mädchen hatten für uns landestypische Tänze einstudiert, Lieder eingeübt und sehr emotionale Briefe vorgelesen, in dem sie uns dankten und uns baten unsere Bemühungen fort zu setzen.
Es waren sehr bewegende Momente, obwohl es uns auch ein bisschen peinlich war so im Mittelpunkt zu stehen. Im Gegensatz zu unserem Sohn, der ständig von vielen Mädchen umringt war.
Und auch wie wir bei unserem ersten Besuch wurde nun auch unsere Freundin angesteckt, sich für diese Mädchen einzusetzen. Wir haben die Begeisterung der Kinder sehen und am Ende des Tages hatten wir wieder Ideen im Kopf, wie man hier weiterhelfen kann.
Noch in der Hitze Brasiliens nahmen wir uns vor, unsere Kreativität zu nutzen und für den Weihnachtsmarkt zu basteln.
Bei einem Klassentreffen im November 2008 konnte ich ein weiteres Teammitglied gewinnen.
Meine alte Schulfreundin Silvie war begeistert uns zu helfen.
Sie und ihr kleines Auto ( ein Wunder, wieviel Kisten mit Trödel dort hineinpassen ) sind uns eine große Hilfe geworden in der Organisation und Durchführung der Märkte.
Silvia, Nicoles und meine gemeinsame Freundin, bastelt mittlerweile fleißig mitten im Sommer Weihnachtsmänner für unsere Märkte.
Schauen Sie doch mal ab und zu unter News. Dort halten wir sie das Projekt Aline auf dem Laufenden.